Mit 40 habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt.
Es hat sich etwas Grundsätzliches verändert. Sehr deutlich.
Mein Körper hat sich verändert. Und zwar nicht schleichend. Sondern von heute auf morgen.
Dinge, die vorher selbstverständlich waren, waren es plötzlich nicht mehr. Mein Energielevel. Mein Schlaf. Mein inneres Gleichgewicht. Mein Körpergefühl.
Ich wusste: Das ist nicht nur einfach Stress. Und ich wusste auch: Das bilde ich mir nicht ein.
Wenn Symptome abgetan werden.
Weil sie nicht ins Lehrbuch passen.
Also habe ich das getan, was man tut, wenn man Verantwortung für sich übernimmt. Ich bin zu Ärzten gegangen. Zu vielen Ärzten.
Mit der Hoffnung, dass mir jemand zuhört. Dass man mich ernst nimmt. Dass jemand einfach das tut, wofür er da ist: hinschauen, prüfen, nachforschen.
Fast ein Jahr lang ist genau das nicht passiert. Ich wurde schulterzuckend angeschaut. Abgewunken. Belächelt.
✦ „Sie haben einfach zu viel Stress.“
✦ „Das ist psychosomatisch.“
✦ „In Ihrem Alter? Quatsch.“
Kein Blutbild. Kein Hormoncheck.
Nur Vermutungen.
Wenn Vermutungen belächelt werden statt überprüft.
Als ich irgendwann offen ausgesprochen habe, dass ich vermute, bereits in den Wechseljahren zu sein, wurde ich ausgelacht.
Ein Blick von oben nach unten, unterstrichen mit einer abfälligen Handbewegung.
„Haben Sie mal in den Spiegel geschaut? Sie sind so was von nicht in den Wechseljahren.“
Ohne eine einzige Untersuchung. Ohne einen Blick auf Werte. Ohne den Versuch, die eigene Aussage zu überprüfen.
Ein Blutbild sagt mehr als tausend Vermutungen.
Also bin ich den Weg zurückgegangen. Zu der Frauenärztin, bei der ich war, bevor ich weggezogen bin.
Drei Stunden Aufwand für einen Termin. Ich habe diesen Weg aber gern auf mich genommen, weil ich eines wusste: Sie wird mir zumindest zuhören.
Und sie hat genau das getan, was ich mir ein Jahr lang von allen anderen gewünscht hätte. Sie hat ein Blutbild gemacht. Einen Hormoncheck. Sie hat gemessen statt vermutet.
Das Ergebnis war eindeutig. Schwarz auf weiß:
Mit 41 war ich sehr wohl bereits in den Wechseljahren.
Eine klare Diagnose verändert plötzlich alles. Und lässt trotzdem Fragen offen.
Es folgte eine Hormontherapie. Zunächst Östrogen. Später Progesteron.
Die Meinungen hierzu gehen auseinander. In manchen Ländern wie den USA wird bei bestimmten Therapiekonzepten auf eine zusätzliche Progesteron-Gabe verzichtet. Das kann bei Frauen mit intaktem Uterus das Risiko für Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut* erhöhen. In Deutschland geht man in der Regel vorsichtiger vor und ergänzt Progesteron zum Schutz der Gebärmutter.
Was soll ich sagen? Ich habe mich nicht besser gefühlt. Aber auch nicht schlechter.
Also habe ich begonnen, mich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Zu lesen. Zu sprechen. Mich auszutauschen.
Und nein: Es ist mir nicht peinlich, mit Anfang vierzig in den Wechseljahren zu sein. Ich kann es nicht ändern. Aber ich kann entscheiden, wie ich damit umgehe.
* Wenn bei einer Frauen-Hormonersatztherapie ausschließlich Östrogen gegeben wird und die Frau einen intakten Uterus hat, steigt das Risiko für eine Verdickung der Gebärmutterschleimhaut und damit für Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom).
Blutwerte unter Hormonen können trügen.
Ein Punkt, der mir viel früher hätte erklärt werden müssen:
Blutwerte unter laufender Hormontherapie sagen kaum noch etwas über den ursprünglichen Hormonstatus aus.
Sobald Hormone von außen zugeführt werden, reagiert das Hormonsystem. Die Eigenproduktion wird gedrosselt. Bestimmte Werte sinken. Andere wirken plötzlich wieder „geordnet“.
Unter Therapie kann man nicht mehr erkennen, wo der Körper ohne Hilfe gestanden hätte.
Blutwerte sind in dieser Phase daher kein Beweis dafür, dass „wieder alles gut“ ist. Sie sind höchstens ein grober Orientierungswert.
Was zählt, sind Symptome. Empfinden. Veränderung.
Und bei nichts davon gab es bei mir gravierende Unterschiede.
Was dir kein Arzt sagt.
Und warum entscheidende Informationen manchmal erst viel zu spät kommen.
Was mich richtig erschüttert hat, kam erst viel später. Ja, meine Frauenärztin hatte mich vor Beginn der Hormon-Einnahme über allgemeine Risiken aufgeklärt: erhöhtes Thromboserisiko, Lungenembolie, Herzinfarkt.
Was sie nicht angesprochen hat – obwohl es in Großbuchstaben in meiner Akte steht – war die Brustkrebserkrankung meiner Mutter.
Ein entscheidender Punkt. Denn mit dieser familiären Vorbelastung bedeutet die Einnahme von Hormonen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, selbst an Brustkrebs zu erkranken, wenn man die Hormone nimmt.
Als mir das später – nach mehrmaligem Nachfragen und nur zögerlich nickend – in einem Hormonzentrum bestätigt wurde, hat sich in mir etwas verändert.
Und als ich meine Frauenärztin damit konfrontierte und sie es zugab, war klar:
Ich muss eine Entscheidung treffen.
Angst ist kein guter medizinischer Ratgeber.
Trotzdem möchte ich eines ganz klar festhalten:
Ja, eine familiäre Brustkrebserkrankung erhöht das Risiko. Aber nein, sie bedeutet keine Sicherheit, selbst zu erkranken.
Entscheidend sind viele Faktoren:
✦ das Erkrankungsalter der Mutter
✦ genetische Marker
✦ weitere Fälle in der Familie
Auch bei der Hormontherapie gibt es große Unterschiede. Transdermales Östrogen kombiniert mit natürlichem Progesteron gilt heute als eine der risikoärmsten Formen der Hormonersatztherapie.
Das heißt natürlich noch lange nicht, dass es risikofrei ist. Aber es heißt sehr wohl, dass pauschale Aussagen, ohne die Faktoren miteinzubeziehen, mehr Angst erzeugen als Klarheit.
Und genau deshalb habe ich mich am Ende gefragt:
Welche Entscheidung fühlt sich für mich richtig an?
Warum ich mich gegen die Hormone entschieden habe. Und für mich.
Mit 42 habe ich die Hormone abgesetzt. Aus Selbstschutz.
Ich nehme keine Hormone, wenn sie mir keinen spürbaren Nutzen bringen, aber zugleich mein Risiko für eine schwere Erkrankung erhöhen.
Denn Gesundheit heißt für mich nicht, alles auszuhalten, sondern bewusst zu entscheiden, was ich meinem Körper zumute.
Wechseljahre werden leider noch immer bagatellisiert.
Was mich an all dem wütend macht, ist weniger die Tatsache, dass es so gelaufen ist. Und mehr das System dahinter.
✦ Dass Frauen mit ihren Symptomen so oft nicht ernst genommen werden.
✦ Dass Wechseljahre noch immer als „zu früh“, „übertrieben“ oder „eingebildet“ gelten.
✦ Dass lieber psychologisiert wird, als einmal Blut abzunehmen.
✦ Und dass entscheidende Informationen manchmal nicht klar benannt werden.
Vielleicht aus Angst. Vielleicht aus Routine. Vielleicht aus Bequemlichkeit.
Ich weiß es schlicht nicht.
Selbstfürsorge beginnt dort, wo du dich selbst ernst nimmst.
Versteh diesen Artikel bitte nicht als medizinischen Ratgeber. Er soll nur eine Erinnerung sein.
Du musst niemandem blind glauben, nur weil er einen weißen Kittel trägt.
✦ Du darfst nachfragen. Zweifeln. Recherchieren.
✦ Du darfst auf Tests bestehen.
✦ Und du darfst Entscheidungen für deinen Körper treffen. Auch dann, wenn sie unbequem sind.
Dein Körper spricht mit dir. Und wenn du spürst, dass etwas nicht stimmt, dann stimmt etwas nicht. Punkt.
Manchmal beginnt Selbstfürsorge genau da, wo man aufhört, sich abwimmeln zu lassen. Und manchmal ist der mutigste Schritt nicht, eine Therapie zu beginnen. Sondern sie zu beenden.
Folge mir.
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Nachbemerkung.
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