12 DEUT­SCHE REDE­WEN­DUN­GEN, DIE BEI GENAU­ER BETRACH­TUNG ECHT VER­STÖ­REND SIND.

12 deutsche Redewendungen

Zuge­ge­ben: Man­che deut­sche Rede­wen­dun­gen sind über­trie­ben, selt­sam oder sogar leicht verstörend.

Aber genau des­we­gen lie­ben wir die deut­sche Spra­che doch so sehr. Oder? 🥰

Denn unse­re Spra­che ist ein­fach so viel mehr als das, was im Duden steht. Sie besteht aus Bil­dern, Geschich­ten, Gefüh­len und jahr­hun­der­te­al­ten Spu­ren. Von Men­schen, die schon lan­ge vor uns mit ihr gedacht, gespro­chen und gefühlt haben.

Und genau des­halb fühlt sich Deutsch manch­mal kom­plett wild und gleich­zei­tig wun­der­schön an.

1

Klap­pe zu, Affe tot

= Ende der Diskussion

Die Rede­wen­dung meint: „Das The­ma ist been­det.“ Die Geschich­te dahin­ter? Deut­lich düsterer.

Der Aus­druck soll aus der Zir­kus­welt stam­men. Frü­her wur­den klei­ne Affen als Attrak­ti­on in Kis­ten oder hin­ter Klap­pen gezeigt. Starb das Tier, blieb die Klap­pe geschlos­sen und die Vor­stel­lung war vorbei.

Ziem­lich maka­ber für eine Rede­wen­dung, die heu­te vie­le Men­schen ein­fach neben­bei benut­zen. Oder?

2

Auf dem Zahn­fleisch kriechen

= Völ­lig erschöpft sein

Jemand ist so fer­tig, dass offen­bar nicht ein­mal mehr genug Ener­gie zum nor­ma­len Gehen übrig ist.

Statt­des­sen robbt die Per­son halb tot über den Boden. Und das nicht ein­mal auf den Knien, son­dern direkt auf dem Zahn­fleisch. (Was pas­siert dabei dann eigent­lich mit den Zähnen?)

Deutsch hät­te auch ein­fach „erschöpft“ sagen kön­nen. War aber offen­bar nicht dra­ma­tisch genug.

3

Hals- und Beinbruch

= Viel Glück

Man möch­te jeman­dem Glück wün­schen und sagt statt­des­sen etwas, das klingt wie der Beginn eines Unfallberichts.

Die Rede­wen­dung stammt ver­mut­lich vom jid­di­schen „hats­lok­he un brok­he“ ab. Ursprüng­lich geht der Aus­druck auf das Hebräi­sche „haz­lacha uwracha“ zurück und bedeu­tet „Erfolg und Segen“.

Dar­aus wur­de im Deut­schen dann aber offen­bar irgend­wann „Hals- und Beinbruch“.

Eine maxi­mal frag­wür­di­ge Form von Zuspruch.

4

Den Löf­fel abgeben

= ster­ben

Bei die­ser Rede­wen­dung hat die deut­sche Spra­che den Tod mal eben in etwas ver­wan­delt, das klingt wie das Ende des Mittagessens.

Eine ver­brei­te­te Erklä­rung dafür: Frü­her hat­te jeder sei­nen eige­nen Löf­fel. Starb jemand, wur­de er weitergegeben.

5

Jeman­dem etwas aus der Nase ziehen

= Infor­ma­tio­nen nur müh­sam bekommen

Die­se Rede­wen­dung beschreibt das Gefühl eines extrem anstren­gen­den Gesprächs: Man fragt. Und fragt. Und fragt …

Und jede ein­zel­ne Infor­ma­ti­on muss offen­bar mit Gewalt aus einer Per­son her­aus­ge­zo­gen werden.

Aber war­um aus­ge­rech­net aus der Nase? Das weiß wahr­schein­lich nie­mand so genau.

6

Die Flin­te ins Korn werfen

= auf­ge­ben

Deutsch liebt Rede­wen­dun­gen, die plötz­lich kom­plett eska­lie­ren. Denn eigent­lich woll­te man ursprüng­lich nur sagen: „Ich gebe auf.“

Statt­des­sen ent­steht vor dem inne­ren Auge ein dra­ma­ti­scher Film: Jemand wirft mit­ten auf einem Feld sei­ne Waf­fe weg und ergibt sich sei­nem Schicksal.

Fin­den wir das ein klei­nes biss­chen über­trie­ben? Viel­leicht. Zeigt es gleich­zei­tig, wie schnell unse­re Spra­che ein gan­zes Bild im Kopf ent­ste­hen lässt? Oooh ja.

7

Blut und Was­ser schwitzen

= Gro­ße Angst haben

Wenn man die­se Rede­wen­dung wort­wört­lich nimmt, klingt sie eher nach einer medi­zi­ni­schen Katastrophe.

Gemeint ist aber extre­me Angst oder enor­mer Stress. Und trotz­dem ver­ste­hen wir sofort das Gefühl dahinter.

Das zeigt, wie fas­zi­nie­rend unse­re Spra­che ist. Manch­mal trans­por­tiert ein völ­lig absur­des Bild mehr Gefühl als jede sach­li­che Erklärung.

Die Rede­wen­dung geht übri­gens auf die Bibel zurück. Laut Lukas­evan­ge­li­um hat­te Jesus im Gar­ten Geth­se­ma­ne so gro­ße Angst, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte.

8

Das passt wie die Faust aufs Auge

= etwas passt per­fekt zusammen

Das Ver­rück­te dar­an: Ursprüng­lich mein­te die Rede­wen­dung wohl genau das Gegen­teil. Schließ­lich passt eine Faust natür­lich über­haupt nicht gut zu einem Auge.

Die Rede­wen­dung wur­de aller­dings irgend­wann so häu­fig iro­nisch ver­wen­det, dass sich die Bedeu­tung kom­plett gedreht hat.

9

Haa­re auf den Zäh­nen haben

= sich ziem­lich streit­bar behaupten

Haa­re gehö­ren an ziem­lich vie­le Stel­len. Auf die Zäh­ne aber eher weniger.

Trotz­dem benut­zen wir die­se Rede­wen­dung für Men­schen, die sich behaup­ten kön­nen, schlag­fer­tig sind und sich nicht so leicht ein­schüch­tern lassen.

Frü­her wur­de der Aus­druck übri­gens vor allem für Frau­en ver­wen­det, die als „zu direkt“, „zu laut“ oder „zu unbe­quem“ galten.

Heu­te passt die Rede­wen­dung beson­ders gut zu Per­so­nen, die sich nichts gefal­len lassen.

10

Ein Auge auf jeman­den werfen

= Inter­es­se an jeman­dem haben
 

Es könn­te eine ziem­lich roman­ti­sche Rede­wen­dung sein. Bis man dar­über nach­denkt, was da eigent­lich sprach­lich passiert:

Streng genom­men wirft hier gera­de jemand ein kom­plet­tes Auge durch die Gegend.

Gemeint ist aber natür­lich, dass jemand eine ande­re Per­son inter­es­sant fin­det oder Gefüh­le für sie entwickelt.

Sagen wir so: Die Bedeu­tung ist defi­ni­tiv schö­ner als das Bild im Kopf.

11

Das Herz auf der Zun­ge tragen

= Gefüh­le sehr offen zeigen

Ana­to­misch betrach­tet soll­te das Herz wirk­lich an einem ganz ande­ren Ort bleiben.

Bei der Rede­wen­dung geht es aber dar­um, dass jemand sehr direkt über Gefüh­le, Gedan­ken und Emo­tio­nen spricht und offen zeigt, was in ihm vorgeht.

Und genau das macht die­se Rede­wen­dung so span­nend: Die For­mu­lie­rung ist kom­plett absurd und gleich­zei­tig erstaun­lich treffend.

12

Jeman­dem ist eine Laus über die Leber gelaufen

= jemand ist schlecht gelaunt

War­um läuft über­haupt irgend­et­was über eine Leber? Und war­um aus­ge­rech­net eine Laus?

Der Hin­ter­grund ist uralt. Frü­her galt die Leber als Sitz der Gefüh­le und des Tem­pe­ra­ments. Wenn dort also etwas „nicht stimmt“, ver­än­dert sich auch die Stim­mung eines Menschen.

Die Laus wie­der­um stand schon damals für etwas Klei­nes, Ner­vi­ges und Unangenehmes.

Zusam­men ergibt das ein win­zi­ges Ärger­nis mit maxi­mal schlech­ter Lau­ne als Folge.

Fazit.

Ja, deut­sche Rede­wen­dun­gen sind manch­mal echt seltsam. 

Sie sind manch­mal maka­ber und manch­mal so bild­haft, dass man sie bes­ser nicht zu genau vor dem inne­ren Auge abspie­len sollte.

Gleich­zei­tig liegt genau dar­in ihr Reiz.

Sie zei­gen, wie viel Geschich­te, Gefühl und Sprach­fan­ta­sie in ganz all­täg­li­chen For­mu­lie­run­gen steckt. Wir benut­zen sie oft neben­bei, ohne dar­über nach­zu­den­ken, was wir da eigent­lich sagen. Sobald man genau­er hin­sieht, wird aus einem ein­fa­chen Satz plötz­lich ein klei­nes Stück Sprachgeschichte.

Viel­leicht ist Deutsch des­halb manch­mal anstren­gend. Aber eben auch herr­lich eigen, über­ra­schend und wun­der­schön. ♥️

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Aus Grün­den der bes­se­ren Les­bar­keit wird bei Per­so­nen­be­zeich­nun­gen und per­so­nen­be­zo­ge­nen Haupt­wör­tern in die­sem Blog­ar­ti­kel die männ­li­che Form ver­wen­det. Ent­spre­chen­de Begrif­fe gel­ten im Sin­ne der Gleich­be­hand­lung grund­sätz­lich für alle Geschlech­ter. Die ver­kürz­te Sprach­form hat nur redak­tio­nel­le Grün­de und beinhal­tet kei­ne Wertung.

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